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Michael Zwingmann

(Deutschland) *1964 in Hannover

Michael Zwingmann verwendet für seine abstrakten Plastiken und konzeptuellen Außenrauminstallationen bevorzugt das für die Bildhauerei ungewöhnliche Material Gussasphalt. Zwingmann, der von 1985 bis 1993 in Hannover Kunst studierte und währenddessen ein Studienjahr in Indien verbrachte, hat bereits in verschiedenen Ländern Europas und Asiens ausgestellt und 1998 den Kunstpreis der Darmstädter Sezession erhalten. Seine raumgreifenden Werke „Invasion“ (1999) und „Chamäleon“ (2001) hat er für die zweite bzw. dritte „Blickachsen“-Ausstellung geschaffen, in deren Rahmen sie im Bad Homburger Kurpark zu sehen waren.
Bei „Blickachsen 9 RheinMain“ zeigt Zwingmann nun im Eschborner Skulpturenpark Niederhöchstadt eine mehrteilige Installation mit dem Titel „Annäherung an das Phänomen der Schwarzen Löcher“. Sie besteht aus sieben unterschiedlich großen und unterschiedlich geformten Asphalt-Polyedern, die in ihrer zunächst scheinbar zufälligen Anordnung auf einer Wiese des Skulpturenparks die Sternenkonstellation des Großen Wagens nachbilden. Der Künstler selbst bezeichnet die Objekte mit ihren Oberflächen aus Vierecken und gleichseitigen Dreiecken als spielerische Ableitungen idealer geometrischer Körper, wie sie Platon in seiner Schrift „Timaios“ bei seinen Ausführungen über die Entstehung des Universums beschreibt. Dabei bricht die strenge Geometrie der ausgestellten Asphaltkörper jeweils an einer Stelle auf, an der die Spuren des Herstellungsprozesses sichtbar werden: Zwingmann hat den körnigen und in erhitztem Zustand zähflüssigen Asphalt in Gussformen aus Stahl gefüllt, wodurch er eine relativ homogene, glatte Oberfläche der endgültigen Körper erreicht; dieser Glätte steht die Struktur der je nach eingefüllter Menge an der Öffnung der Gussformen mal hervorquellenden, mal eingesackten groben Asphaltmasse gegenüber. Dynamik und Prozesshaftigkeit scheinen hier ihren Ausdruck zu finden. Nach dem Erkalten des Materials und dem Ablösen der Formen hat Zwingmann die ausgehärteten Objekte seiner Installation mit schwarz pigmentiertem Wachs behandelt. Die Farbigkeit spielt eine tragende Rolle bei seiner künstlerischen Annäherung an eines der mysteriösesten Phänomene im Weltall – sind schwarze Löcher doch Objekte von so hoher Dichte, dass ihrem Gravitationsfeld nicht einmal das Licht zu entkommen vermag, und also die schwärzesten Körper, die wir kennen.
Und doch erhebt sein Arrangement keinerlei Anspruch auf Darstellung des Nicht-Darstellbaren: Form und Anordnung seiner Gebilde sind durch andere Kontexte inspiriert und die tiefschwarz glänzenden, im Sonnenlicht geradezu funkelnden ‚Himmelskörper‘ machen unseren Sinnen das zugänglich, was sich unserer Vorstellungskraft entzieht.

Exponate

Blickachsen 3

Blickachsen 2